Montag, 15. Februar 2021

Charleroi emittiert Regionalwährung im Volumen von über 4 Mio. Euro

Die Stadt Charleroi in Belgien mit etwa 200.000 Einwohner hat zwischen den Lockdowns in 2020 eine Unterstützungsaktion für den lokalen Einzelhandel gestartet. Allen Bürger*innen wurden 20 Euro in der Regionalwährung "Carol'Or" (siehe Abbildung angeboten. Über 95% haben von dem Angebot Gebrauch gemacht und sich die Gutscheine zuschicken lassen. Dadurch kamen 4 Mio. Euro in Form einer Regionalwährung in Umlauf. Die Aktion läuft noch bis 30. Juni 2021.


Ziele der Regionalwährung sind:

  • Vernetzung von lokalen Unternehmen, Initiativen und Dienstleister
  • Solidarität und Respekt für die Umwelt
  • Stärkung der Realwirtschaft 
  • Kampf gegen Finanzspekulationen 
  • Begegnung der globalen Erwärmung durch Unterstützung von kurzen Transportwegen
Die lokale Initiativgruppe wird unterstützt von "Financite", einem Verein in Belgien, der Regionalwährungen berät und bei der Implentierung hilft. Der Verein arbeitet mit staatlichen Behörden eng zusammen und erhält projektbezogen Förderungen.

Dieses Beispiel zeigt, dass eine Koordination zwischen Staat und Zivilgesellschaft im Sinne von Public-Citizenship-Partnerships zu nachhaltigen Lösungen bei der Begegnung von gesellschaftlichen Herausforderungen beitragen kann.

Mehr zum Thema Komplementärwährungen als soziale Innovation findet sich in folgendem Beitrag:

Samstag, 23. Januar 2021

Zweierlei Maß beim Lockdown und die Bayerische Verfassung

Gerade war ich bei einem Groß-Supermarkt, nachdem ein Bekannter erzählt hat, dass es beim „Real“ zugehe wie auf einem Rummelplatz. Normalerweise bin ich dort nicht, allerdings war ich nun neugierig, ob hier wirklich nur Lebensmittel und Getränke verkauft werden. Der Blick in den Laden zeigt, es gibt Smartphones, Fernseher, Bekleidung, Faschingsartikel, Spielwaren, Küchenartikel und vieles andere, was das Konsumherz begehrt jeweils auf Flächen, die einzeln für sich größer sind als die meisten kleinen Geschäfte, die ich für meine Einkäufe besuche.

Wie wir wissen, wurden die kleinen Einzelhändler, die nicht auf der Positivliste des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit stehen, zu einem Infektionsrisiko erklärt. Die Schließung soll bekanntlich das Ausbreitungsgeschehen abmildern. Als Abgrenzungskriterium gilt nach § 12 der Bayerischen Infektionsschutzverordnung das Anbieten von Lebensmitteln, Drogerieartikeln, Fahrrädern, Autos und etlichen weiteren Punkten. Das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit hat zur Einordnung eine Positivliste entwickelt.

Zu Real, Kaufland und Co führt das Staatsministerium für Gesundheit aus:

„Bei Großbetriebsformen des Handels wie insbesondere SB-Warenhäusern, Verbrauchermärkten und großflächigen Drogeriemärkten gilt die Mischbetriebsregelung nicht, wenn nicht-erlaubte Sortimente in eigenen, gut abgrenzbaren Abteilungen (etwa eigenes Stockwerk; zusammenhängende, gut abgrenzbare größere Fläche) des Betriebs angeboten werden. Diese Abteilungen sind zu schließen.“

Ich frage mich, wer darüber entscheidet, was abgrenzbar ist und was nicht. In dem Großsupermarkt gibt es Flächen mit den sogenannten „nicht erlaubten Warenangeboten“ von weit über 2.000 Quadratmetern. Die Flächen sind klar gegliedert nach Lebensmitteln, Bekleidung, Spielwaren und anderen Abteilungen. Dennoch sind diese offen und bieten für Kunden eine sehr exklusive Möglichkeit, vor Ort einkaufen zu können. Es wird auch Beratung angeboten, abgesehen von der FFP2-Maske und dem Einkaufswagen, der für die Einkäufe hilfreich ist, ist alles wie immer.

Aus meiner Sicht wären die Flächen hervorragend abgrenzbar. Direkt an der Kasse gibt es sogar eine Sonderangebotsabteilung vorrangig für Bekleidung. Ich denke an den Bekleidungshändler, bei dem ich normalerweise einkaufe, der hat geschlossen und was wird er mit seiner Saisonkleidung wohl machen.

Auf der Fläche des von mir besuchten Groß-Supermarkts tummeln sich mehr Menschen als ich sonst in normalen Zeiten in den kleinen Läden sehe. Das gilt nicht nur absolut, sondern auch relativ. Hier bei Real sind oft 10 Kunden auf 100 Quadratmetern zu sehen. Bei kleinen Läden treffe ich maximal drei Kunden in einem Laden mit 80 Quadratmetern.

Ein Real-Markt hat eine Fläche von 7.000 Quadratmetern (laut Statista). Vorhin dürften es locker 400 Personen gewesen sein, vielleicht auch 600. Wenn die Kunden im Durchschnitt eine Stunde im Laden verbringen, können an einem Samstag 5.000 Menschen kommen und vollgepackt mit Waren wieder heimgehen.

Wie ist es im Vergleich zu Zeiten, in denen kein Lockdown herrscht? Ich fahre an dem Laden seit Jahren vorbei, wenn ich meine Mutter besucht habe. Sowohl die Anzahl der parkenden Autos als auch die einströmenden Kunden lassen mich mutmaßen, dass die Zahl der Kunden aktuell deutlich höher ist als sonst. Das ergibt auch Sinn, weil Alternativen geschlossen sind.

Gerade sehe ich jemanden mit einem 32-Zoll-Fernseher hinauskommen. Ein Sonderangebot, wie ausgeschildert, hat er für schlappe 159,90 Euro ergattert. Ob der Kunde den Fernseher vielleicht bei einem Fachhändler gekauft hätte, wenn er öffnen hätte dürfen? Ob das Risiko der Ansteckung wirklich sinkt, wenn sich die Kunden bei wenigen großen Händlern treffen? Oder wäre das Risiko geringer, wenn die Kunden verteilt sind auf viele kleine und mittlere Einzelhandelsgeschäfte? Viele Politiker hatten sich gewundert, dass die Inzidenzraten nicht gesunken sind nach dem Lockdown light und auch nicht Wochen nach dem harten Lockdown. Ministerpräsident Söder hat die „Schlupflöcherkultur“ bemängelt. Das, was ich hier in einer Großbetriebsform sehe, „geht auf keine Kuhhaut“, würde man vielleicht in Bayern sagen, wenn es in milder Form ausgedrückt würde.

Kennt die Regierung den Artikel 153 Absatz 1 der Bayerischen Verfassung?

„Die selbständigen Kleinbetriebe und Mittelstandsbetriebe in Landwirtschaft, Handwerk, Handel, Gewerbe und Industrie sind in der Gesetzgebung und Verwaltung zu fördern und gegen Überlastung und Aufsaugung zu schützen.

Nach meiner Interpretation ist der Verfassungsartikel wie folgt zu interpretieren. Einzelhandelsgeschäfte sind vor Oligopolen und Monopolen zu schützen. Der langfristige Trend in den Bereichen Lebensmittel, fossile Energien, Bekleidung, Möbel, Internet und viele andere geht in Richtung Konzentration und Konzernbildung. Viele Schlüsselmärkte haben sich zu Oligopolen verwandelt, das ist nichts Neues und längst von Autoren wie Piketty („Kapital im 21. Jahrhundert“) beschrieben.

Die Infektionsschutzverordnung schützt auf der einen Seite vor allem die ältere Bevölkerung vor Ansteckungen mit tödlichen Risiken. 

Dabei gibt es jedoch zwei Kehrseiten.

Die Marktanteile werden durch die langen Lockdowns unwiderruflich zu großen Online-Händlern verschoben. Das Jahr 2020 hat den Online-Händlern laut dem Statistischen Bundesamt einen Rekord-Zuwachs von 33,1 Prozent beschert. Initiativen zur Besteuerung von Digitalkonzernen sind bislang versandet oder wirkungslos und die Steuerlast ist durch globale Steuerkonstrukte deutlich geringer.

Die zweite Kehrseite sind Verschiebungen zwischen dem stationären Einzelhandel, wie wir sie jetzt zum Beispiel zwischen den Großbetriebsformen und dem kleinen Einzelhandel, die nicht auf der Positivliste des Freistaats stehen, erleben. Während die einen im Covid-Krisenjahr um 3,9 Prozent zulegen konnten, verlieren die „Nicht-Positiven“ an Umsätzen, darunter Bekleidungshändler 20 Prozent und reine Waren- und Kaufhäuser 6,1%. Würde man nur die Lockdown-Zeiten berücksichtigen, sind die Verschiebungen nochmal deutlich größer sowohl zwischen den stationären Händlern als auch zu den Online-Händlern.

In der Hektik der sich überschlagenden Neuverodnungen ist die Frage, wie wieder Vernunft und Augenmaß gegenüber den kleinen und mittleren Betrieben hergestellt werden kann. Anstatt der Komplettschließung wäre bereits im April 2020 die verbindliche Anwendung von FFP2-Masken das mildere Mittel gewesen. Mitten in einer Infektionswelle ist eine Entscheidung extrem schwierig. Es ist aber auch nicht mehr hinnehmbar, dass für vergleichbare Sachverhalte zweierlei Maß angewandt wird. Es braucht darüber hinaus auch einen Ausgleich des langfristigen Schadens, der durch die Lockdown-bedingte strukturelle Verschiebung der Marktanteile entstanden ist. Es bedarf eines öffentlich legitimierten „Unternehmer*innen-Rats“, der aus kleinen und mittleren Unternehmen zusammengesetzt wird. Dieser könnte sich am Grundgedanken des Art. 153 der Bayerischen Verfassung orientieren, um auf dieser Basis einen Ausgleich zu beraten und in die Entscheidungsgremien einzubringen.

Mittwoch, 12. Dezember 2018

Spielfilm und Doku über "Das Wunder von Wörgl"

Wer einen herzergreifenden Spielfilm mit Tiefgang sehen möchte, sollte sich unbedingt "Das Wunder von Wörgl" ansehen. Mitten in der Wirtschaftskrise hört ein Tiroler Bürgermeister auf zu jammern und entwickelt ein geniales Selbsthilfeprojekt gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern der Gemeinde Wörgl. Mit eigenem Geld werden Beschäftigte der Gemeinde bezahlt und Arbeitslose in Bauprojekten beschäftigt. Mit Arbeitswertschein im Wert von 8.000 Schilling werden Umsätze im sechsstelligen Bereich erzielt. Im Durchschnitt zirkuliert ein Arbeitsschein fast einmal pro Woche. Die Teilnehmenden wollen die Scheine schnell wieder loswerden, damit sie die Scheine nicht verlängern müssen. So entsteht ein stetiger Geldkreislauf, der die Nachfragelücke in Wörgl schließen hilft.

Bild aus dem Film "Das Wunder von Wörgl", ORF2

Die Notenbank reagiert autoritär und ohne Rücksicht auf die katastrophalen realen Verhältnisse. Sie betreibt das Verbot und beendet damit eines der vielversprechendsten Experimente im 20. Jahrhundert.

Nach dem Spielfilm hat das ORF auch noch eine gut recherchierte Dokumentation ausgestrahlt. Bei der Suche nach aktuellen Beispielen haben die Macher auch einen Stopp im Chiemgau eingelegt.



Glücklich kann sich schätzen, wer in Österreich wohnt, denn dann funktioniert der folgende Link zum ORF2.


Es besteht jedoch Hoffnung, dass der Film bald auch in Deutschland ausgestrahlt wird. Der Fernsehsender ARTE hat die Rechte zur Ausstrahlung...

Montag, 28. September 2015

Give Greece a Chance

In 2011, Christian Gelleri and Thomas Mayer proposed a second currency for Greece. Since then
the Greek problems have not been solved and have instead become worse. The country is still
enduring severe economic problems and national bankruptcy remains dangerously close. A parallel
currency »NEURO« could help to avoid the worst and act as a leverage for the better.

Give Greece a Chance - A Parallel Currency Proposal

Dienstag, 21. Juli 2015

Gebt Griechenland eine Chance!

Aufgrund der akuten Situation in Griechenland wurde der Neuro-Vorschlag nochmal überarbeitet und an die aktuellen Gegebenheiten angepasst. Eine Eurodeckung erscheint zum jetzigen Zeitpunkt erst einmal nicht möglich, daher wird die Herausgabe über Schuldscheine des Staates favorisiert. Die Akzeptanz durch den Staat erfolgt 1 zu 1 für alle Abgaben, Steuern und Leistungen. Die Emission erfolgt über Mitarbeiter, Auftragnehmer und sonstige Leistungserbringer. Zentral bleibt weiterhin ein Negativzins, der anfänglich mit 3% festgesetzt wird. Technisch soll die Parallelwährung rein elektronisch in Umlauf gebracht werden. Für die Transaktionen kommen die lokalen Banken in Frage, aber auch die Nutzung von Bitcoin-ähnlichen Technologien. Ausführlich dargestellt wird der Ansatz in der Juni-Ausgabe der Zeitschrift fairconomy auf den Seiten 16 bis 19.

http://www.inwo.de/fileadmin/uploads/media/FAIRCONOMY/ausgaben/ausgabe-2015-2.pdf

Dienstag, 23. Juni 2015

Ist der Crash die Lösung?

Am 11. und 12. Juni waren die Bestsellerautoren Marc Friedrich und Weik zu Gast im Chiemgau. Über 250 Gäste hörten Vortrag und Seminar in Traunstein und machten sich intensiv Gedanken über die derzeitigen Entwicklungen in Europa. Die Autoren Friedrich und Weik betonten, dass es über kurz oder lang zum globalen Kollaps der Schuldenblasen kommen muss. Christophe Levannier und Christian Gelleri zeigten mit der Regionalwährung Chiemgauer eine echte Alternative auf.

v. l. n. r.: Matthias Weik, Christophe Levannier, Christian Gelleri, OB Christian Kegel, Marc Friedrich


Ein toller Bericht zu den Veranstaltungen wurde von Axel Effner geschrieben.



Donnerstag, 6. November 2014

Heiliges Wachstum

Die Wachstumsraten sinken und die Notenbanken fürchten sich vor einer Deflation. Die einen fordern mehr Wachstum und andere (wenige) denken darüber nach, wie eine Wirtschaft ohne Wachstum funktionieren kann. Die Filmemacherin Marie-Monique Robin hat weltweit Alternativen aufgespürt. Eine davon ist die Regionalwährung Chiemgauer.

Über zwei Jahre dauerten die Recherchen und die Aufnahmen zum Film. Die deutsche Version feierte am 4. November 2014 auf ARTE Premiere. Das Warten hat sich gelohnt.

Filmkritik im Handelsblatt

Freitag, 20. Juni 2014

EZB führt am 4. Juni 2014 Negativzins ein

Die Europäische Zentralbank hat am 4. Juni 2014 die Senkung der Einlagezinsen für Banken auf Minus 0,1 Prozent bekannt gegeben. Sie ist damit die erste größere Zentralbank der Welt, die diesen Schritt geht. Das Medienecho darauf ist überwiegend negativ gewesen. "Enteignung der Sparer" und viele andere publikumswirksame Schlagzeilen wurden veröffentlicht. Die Wirkungen hält Bundesbankpräsident Weidmann für überschaubar. Der Euro-Kurs gab etwas nach. Das ist für die Exportwirtschaft gut. Der Deutsche Aktienindex stieg nach der Zinsentscheidug. Die Geschäftsbanken verlagerten kurze Zeit nach der Bekanntgabe einen Teil der Einlagen. Die Frage ist natürlich, wohin? Da es sich nur um einige Milliarden Euro handelt, hat es europaweit allerdings kaum Auswirkungen.

Für den Chiemgauer ist der 4. Juni eine kleine Sensation, denn bisher haben Experten der Zentralbank das "Schwundgeld" im Chiemgau immer belächelt. Nun fangen sie selbst an, dieses einzuführen. Man fühlt sich erinnert an die Mathematiker im 18 Jahrhundert, die umfängliche Traktate mit etlichen Argumenten gegen die Nutzung von negativen Zahlen in der Mathematik geschrieben haben. Öffentlich wurde sogar die Förderung des Dunklen und Bösen befürchtet, wenn sich negative Zahlen verbreiten würden. Heute sind negative Zahlen eine Selbstverständlichkeit und jedes Kind lernt die Verwendung in der Schule. Ähnlich wird es mit dem Negativzins sein: erst Anfang des 20. Jahrhunderts tot geschwiegen, dann bei Einführung des Chiemgauers und anderer Regiogelder belächelt, zwischendurch heftig bekämpft wie in Wörgl 1932 und so langsam findet die Theorie von Silvio Gesell Anerkennung.

So freut es die Chiemgauer, dass das Wall Street Journal Deutschland am 19. Mai 2014 den Chiemgauer als Vorbild für die Notenbankpolitik der Europäischen Zentralbank bezeichnete.

Montag, 21. Mai 2012

Geuro für Griechenland

Es häufen sich die Befürworter einer Parallelwährung in Griechenland. Zwei Autoren des Handelsblattes machen einen handfesten Vorschlag: "Die ND wird zum Kurs von 1:1 zum Euro eingeführt; danach wird der ND/Euro-Kurs als Marktpreis an den Geldmärkten bestimmt. Da die ND die schwächere Währung ist, bedarf es eines gesetzlichen Annahme- und Verwendungszwangs. Unbare inländische Zahlungen gelten zur Hälfte als in ND-Einheiten vereinbart und sind in ND zu erbringen. Das gilt gleichermaßen für die Bezahlung von Waren, Dienstleistungen, Steuern und Arbeitsleistungen. Der vorgeschriebene Anteil der ND-Verwendung sichert, dass es eine ständige Nachfrage von Unternehmen und Bevölkerung nach ND gibt." (siehe Handelsblatt vom 21. Mai 2012) Einen ähnlichen Vorschlag macht auch der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, der die Einführung eines "Geuro" vorschlägt. Darüber berichtet Spiegel Online. Zufällig heißt der Chefvolkswirt so wie einer der beiden Autoren des Expressgeldes. Die Vorschläge gehen alle in Richtung einer deutlich abgewerteten Zweitwährung. Keiner der Volkswirte denkt bislang an einen Umlauf-Impuls zur Beschleunigung der Umlaufgeschwindigkeit. Eine permanente Abwertung hätte sicherlich einen ähnlichen Effekt, doch werden die negativen Folgewirkungen kaum bedacht. Immerhin: Notsituationen wecken die Fantasie der Volkswirte. Es muss die Situation allerdings genau beobachtet werden, damit eine Lösung entsteht, die für die Griechen am verträglichsten ist.

Dienstag, 8. Mai 2012

EZB: Negativzins überfällig

Europas Banken bunkern Geld bei den Notenbanken berichtet das Wallstreet Journal am 6. Mai 2012. Insgesamt sind es 1,2 Billionen Euro, 66 Prozent mehr als Ende 2010. Diese Einlagen werden von der EZB derzeit mit 0,25% pro Jahr verzinst. Anstatt das Geld herumliegen zu lassen, könnte es in den südeuropäischen Staaten für einen Wirtschaftsaufschwung sorgen. Der Europäischen Zentralbank wäre zu empfehlen, für das Parken eine Gebühr zu verlangen. Die Schwedische Notenbank hat es 2009/2010 vorgemacht mit einem Negativzins von 0,25% pro Jahr auf Einlagen von Geschäftsbanken bei der Schwedischen Notenbank. Problem: Ein schnellerer Geldumlauf würde vor allem die "integrierten" Staaten begünstigen. Das Geld würde also vor allem dort wirken, wo die Wirtschaft relativ gut läuft und Inflationsanzeichen bestehen, so z. B. Deutschland, Österreich, Slowakei und Slowenien. Dort, wo das Geld eigentlich gebraucht wird, kommt es nur eingeschränkt an: Irland, Griechenland, Spanien. Eine differenzierte Geldpolitik ist aber nur durch eine eigene Währung möglich, idealerweise sprechen wir von einer komplementären Währung angekoppelt an den Euro mit eingebauten Grenzen im Devisenverkehr. Anstatt also den Banken Geld zu leihen, die das gleiche Geld dann bei der Notenbank aus Sicherheitsgründen bunkern, sollten besser komplementäre Währungen direkt in den Krisenstaaten emittiert werden.

Dienstag, 24. April 2012

Doppelwährung für Griechenland

Polens Notenbankchef Marek Belka schlägt eine zweite Währung für Griechenland vor. Diese solle frei konvertibel zum Euro sein: "Ich trete nicht dafür ein, Griechenland aus dem Euro zu drängen. Doch für interne Zwecke könnte man beispielsweise über ein Zahlungsinstrument nachdenken, das innerhalb des Landes benutzt werden würde, besonders vom Staatssektor." Damit wird an prominenter Stelle die Idee einer staatlichen Komplementärwährung aufgegriffen, um der Abwärtsspirale in Griechenland Einhalt zu gebieten.

Donnerstag, 23. Februar 2012

Kostenvergleich Expressgeld und Rettungspaket

Das neueste griechische Rettungspaket (Februar 2012) kostet Deutschland 35 Mrd. Euro. Das sind 437 Euro pro Bundesbürger.

Zum Vergleich: Der Umlauf-Impuls beim Expressgeld kostet nur 20 Euro pro Person. Diese 20 Euro würden die griechischen Bürger selbst bezahlen. Die meisten Griechen würden vielleicht 5 bis 10 Euro pro Jahr zahlen müssen, reichere Griechen mit mehr Liquidität würden mehr bezahlen, Millionäre sogar einige Tausend Euro.

Der Effekt des Expressgeldes wäre ein Boom beim Nutzen ungenutzter Kapazitäten der griechischen Binnenwirtschaft. Das Potenzial schäte ich bei mindestens 25% des aktuellen BIP. Der wirtschaftliche Effekt des Rettungspakets liegt dagegen für Griechenland bei nahe Null und schon bald wird ein neues Rettungspaket nötig werden.