Interview: Jeder hat das Recht auf einen Kredit
Ein tolles Interview über Mikrokredite in wohlhabenden Staaten von Mohammed Yunus. Ab Januar wird es auch beim Chiemgauer Mikrokredite geben, freilich erst klein, bescheiden und vorsichtig. Yunus hat auch zinsgünstige Kredite an die Ärmsten erprobt, das ist genau der richtige Weg. Heute ist es so, dass der Zinssatz steigt, je ärmer jemand ist. Eine logische Folge des höheren Risikos. Die Frage ist aber, wer dieses Risiko tragen sollte, die Gemeinschaft oder der Kreditnehmer. Wenn eine Gesellschaft großen Banken aus der Patsche hilft mit niedrigen Zinsen, dann sollte sie das umso mehr für die ärmeren Kreditnehmer tun. Volkswirte werden an dieser Stelle warnen vor den möglichen Verlusten, bei den Großbanken hatten sie allenfalls Bedenken, weil ihnen das "Systemrisiko" dann doch zu groß war. Wir brauchen ein anderes Verhältnis zum Risiko und zum Zins, genau das vermittelt uns das Interview mit Nobelpreisträger Yunus. Eine Gesellschaft sollte es in Kauf nehmen, dass Kredite "in die Hose" gehen. Um die Kreativität der Menschen voll zu entfalten, sollte der Staat im beschränkten Umfang einen Teil der Risiken übernehmen. Kein Unternehmer wird sein Unternehmen absichtlich in den Sand setzen. Vor lauter Vorsicht, wird ein Unternehmer eher zum Unterlasser und gerade in Deutschland haben wir vielfach eine "Unterlasser-Mentalität". Mit ein paar Millionen könnte der Staat einiges bewirken. Die Instrumente, die es bereits gibt, müssen lediglich beibehalten und schrittweise ausgebaut und weiterentwickelt werden, ob nun der Start-Kredit der KfW, die Mikrokredite des Mikrofinanzfonds in Zusammenarbeit mit dem Staat usw.
Montag, 30. November 2009
Freitag, 24. Juli 2009
Wie kriegen wir die Zahnpasta zurück in die Tube?
Diese schöne Metapher von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück versinnbildlicht auf wundervolle Art und Weise das Grundproblem einer Geldpolitik, die rein auf Geldmengensteuerung aufbaut:
"Bei all dem Geld, das in den vergangenen Monaten in die Märkte gepumpt worden ist, wird uns dann vor allem die Frage beschäftigen: Wie kriegen wir die Zahnpasta zurück in die Tube? Gelingt es den Zentralbanken, die Liquidität wieder aus dem Markt zu nehmen?"
Peer Steinbrück in der Augustausgabe 2009 des Manager-Magazins
"Bei all dem Geld, das in den vergangenen Monaten in die Märkte gepumpt worden ist, wird uns dann vor allem die Frage beschäftigen: Wie kriegen wir die Zahnpasta zurück in die Tube? Gelingt es den Zentralbanken, die Liquidität wieder aus dem Markt zu nehmen?"
Peer Steinbrück in der Augustausgabe 2009 des Manager-Magazins
Samstag, 27. Juni 2009
Kreditwürdigkeit Japans sinkt
Die Verschuldung des japanischen Staates liegt mittlerweile bei 200 Prozent des Bruttosozialprodukts. Das Wachstum der Schulden geht unaufhaltsam weiter, während die Wirtschaftsleistung im Rekordtempo schrumpft. Die Ratingagentur Moody's hat im Mai 2009 die Kreditwürdigkeit Japans um zwei Stufen gesenkt (auf Aa2). Das heißt, dass die Agentur das Pleiterisiko Japans als höher einschätzt! Trotzdem kaufen japanische Sparer weiterhin japanische Staatsanleihen. Noch, wohlbemerkt. Sollte Japan ins Trudeln geraten, wäre das für die Weltwirtschaft eine Katastrophe, denn auch die USA, England und viele andere Länder stehen bereits am Abgrund ihrer selbsterzeugten Schuldenspirale. Auch Deutschland und die Eurozone stehen nicht besonders gut da.
Die große Frage ist natürlich, wann es gefährlich wird. Solange die Sparer Staatsanleihen kaufen, ist noch alles in Ordnung. Auch die Überkapazitäten der Industrien begrenzen derzeit noch das Risiko einer Hyperinflation. Diese Überkapazitäten werden jedoch durch die Kaufzurückhaltung weltweit Schritt für Schritt abgebaut. Wie lange geht dieser Schrumpfungsprozess noch? Ein Jahr? Drei Jahre? Sieben Jahre? Zehn Jahre?
Kurzfristig sollte man nicht in Panik ausbrechen, so schnell sinkt die Titanic nicht, andererseits sollte man wachsam bleiben, denn ewig wird die Schuldensause nicht mehr weitergehen können.
Zur Vertiefung empfohlen: "Die Weltwirtschaftskrise als Schuldenkrise" von Tomasz Konicz auf Heise.de
Die große Frage ist natürlich, wann es gefährlich wird. Solange die Sparer Staatsanleihen kaufen, ist noch alles in Ordnung. Auch die Überkapazitäten der Industrien begrenzen derzeit noch das Risiko einer Hyperinflation. Diese Überkapazitäten werden jedoch durch die Kaufzurückhaltung weltweit Schritt für Schritt abgebaut. Wie lange geht dieser Schrumpfungsprozess noch? Ein Jahr? Drei Jahre? Sieben Jahre? Zehn Jahre?
Kurzfristig sollte man nicht in Panik ausbrechen, so schnell sinkt die Titanic nicht, andererseits sollte man wachsam bleiben, denn ewig wird die Schuldensause nicht mehr weitergehen können.
Zur Vertiefung empfohlen: "Die Weltwirtschaftskrise als Schuldenkrise" von Tomasz Konicz auf Heise.de
Dienstag, 23. Juni 2009
Bundesbank bestätigt Geldhortung

In ihrem jüngsten Monatsbericht bestätigt die Deutsche Bundesbank Tendenzen der Geldhortung.
"Geht man von einer Transaktionskassenhaltung von 10% des Banknotenumlaufs aus und legt man des Weiteren eine Auslandsnachfrage von 25% bis 35% zugrunde, so bleibt für die Hortung der Löwenanteil von 55% bis 65% übrig." (Bundesbank, Monatsbericht Juni 2009, S. 58)
Nur 10 % des Bargeldes dient der realen Binnenwirtschaft und 90% des Geldes dient spekulativen Zwecken. International gesehen sind es sogar 99% des Geldes, die spekulativ verwendet werden.
Seitdem ich mich mit Negativzinsen und insbesondere mit Regiogeld beschäftige, haben Ökonomen immer wieder behauptet, es gäbe heutzutage keine ernsthafte Geld-Hortung mehr. Daher brauche es auch keine Anti-Hortungs-Gebühr wie dies durch die Klebemarke beim Chiemgauer oder durch einen Negativzins beim eChiemgauer praktiziert wird.
Dass auchgerechnet die Deutsche Bundesbank, die Hedgefonds immer wieder gelobt und dafür das Chiemgauer Regiogeld heftig kritisiert hat, nun die Beweise für die Stimmigkeit von Regiogeldern mit Negativzins abliefert, ist erstaunlich und wohltuend.
(Ich danke Dr. Eva-Maria Hubert für den Hinweis auf den Monatsbericht.)
Montag, 18. Mai 2009
Diskussion zu Negativzinsen
Angestoßen durch einen Artikel von Gregory Mankiw in der New York Times ist eine interessante Diskussion um das Thema Negativzinsen entbrannt. Mankiw ist Professor an der Universität Harvard und Herausgeber des derzeit erfolgreichsten Makroökonomie-Lehrbuchs. Es erstaunt, wenn so eine Kapazität nicht nur den Namen von Silvio Gesell in den Mund nimmt, sondern dessen Idee auch noch sinnvoll findet. Nach etlichen Hass-E-Mails und Briefen an seine Chefin, ihn von Harvard zu entlassen, meinte er in seinem persönlichen Blog zunächst, die Idee einer Geldsteuer nur "ironisch" gemeint zu haben ("tongue-in-cheek"). Später bekräftigte er die Idee der Negativzinsen durch einen Verweis auf den Chiemgauer. Reale Beispiele sind eben doch beeindruckend.
Um einiges sattelfester in der Diskussion ist Willem Buiter, Professor an der London School of Economics und einige Zeit im Währungsrat der Englischen Notenbank. Buiter hat bereits 2001 anlässlich der japanischen Deflation ein Diskussionspapier zur "Gesell-Steuer" veröffentlicht. Es folgten zwei weitere Papiere und Anfang Mai diesen Jahres hielt Buiter einen Vortrag an der Johann-Wolfgang-von-Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Anwesend waren zahlreiche Bundesbanker und Mr. Bundesbank Otmar Issing. Im Mittelpunkt stand der Vorschlag zur Einführung von Negativzinsen oder alternativ die Einführung einer Komplementärwährung zum Euro-System, die er scherzhaft "Wim" bzw. "Rallod" nannte.
Heute hat das Handelsblatt zu diesem Thema einen Artikel veröffentlicht:
Das Undenkbare denken
Wie hat Arthur Schopenhauer so schön geschrieben:
"Zuerst werden neue Ideen lächerlich gemacht, dann bekämpft und dann als selbstverständlich betrachtet"
Um einiges sattelfester in der Diskussion ist Willem Buiter, Professor an der London School of Economics und einige Zeit im Währungsrat der Englischen Notenbank. Buiter hat bereits 2001 anlässlich der japanischen Deflation ein Diskussionspapier zur "Gesell-Steuer" veröffentlicht. Es folgten zwei weitere Papiere und Anfang Mai diesen Jahres hielt Buiter einen Vortrag an der Johann-Wolfgang-von-Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Anwesend waren zahlreiche Bundesbanker und Mr. Bundesbank Otmar Issing. Im Mittelpunkt stand der Vorschlag zur Einführung von Negativzinsen oder alternativ die Einführung einer Komplementärwährung zum Euro-System, die er scherzhaft "Wim" bzw. "Rallod" nannte.
Heute hat das Handelsblatt zu diesem Thema einen Artikel veröffentlicht:
Das Undenkbare denken
Wie hat Arthur Schopenhauer so schön geschrieben:
"Zuerst werden neue Ideen lächerlich gemacht, dann bekämpft und dann als selbstverständlich betrachtet"
Dienstag, 24. März 2009
Bretton Woods II und Papiergoldstandard
Heute waren zur Abwechslung mal interessante Gedanken zu lesen. Bundespräsident Köhler schlägt in seiner Berliner Rede ein Bretton Woods II vor. Wir erinnern uns an John Maynard Keynes und seinen Vorschlag einer International Clearing Union. Zahlungsbilanzungleichgewichte sollen demnach einer Besteuerung unterliegen, ganz ähnlich wie das Chiemgauer Regiogeld Liquiditätskosten auf die Haltung von Bargeld implementiert hat. Keynes sah in solchen Durchhaltekosten ("carrying costs") eine sinnvolle Regel. Die Praktikabilität hat er in der damaligen Bargeld-Welt angezweifelt, beim Chiemgauer gibt es jedoch bereits elegante elektronische Lösungen.
Ein zweiter interessanter Gedanke am heutigen Tage kommt von Zhou Xiaochuan, dem Gouveneur der chinesischen Zentralbank. Die Leitwährung Dollar soll abgelöst werden durch eine Weltwährung, die mit Hilfe von Sonderziehungsrechten durch den Internationalen Währungsfonds (IWF) in Umlauf gebracht würde. Zum Handelsblattartikel.
Kombiniert man den Gedanken einer Weltwährung mit Liquiditätskosten und einer International Clearing Union, kommen wir so langsam zu einem interessanten Geldmodell. Würden die Sonderziehungsrechte durch Regionen beansprucht und nicht durch Nationalstaaten, wäre man gedanklich noch einen Schritt weiter.
Wo Menschen gestützt durch ein regionales Finanzsystem eine Heimat und Identität bilden, können sie das Ideal einer echten Weltgemeinschaft verwirklichen.
Ein zweiter interessanter Gedanke am heutigen Tage kommt von Zhou Xiaochuan, dem Gouveneur der chinesischen Zentralbank. Die Leitwährung Dollar soll abgelöst werden durch eine Weltwährung, die mit Hilfe von Sonderziehungsrechten durch den Internationalen Währungsfonds (IWF) in Umlauf gebracht würde. Zum Handelsblattartikel.
Kombiniert man den Gedanken einer Weltwährung mit Liquiditätskosten und einer International Clearing Union, kommen wir so langsam zu einem interessanten Geldmodell. Würden die Sonderziehungsrechte durch Regionen beansprucht und nicht durch Nationalstaaten, wäre man gedanklich noch einen Schritt weiter.
Wo Menschen gestützt durch ein regionales Finanzsystem eine Heimat und Identität bilden, können sie das Ideal einer echten Weltgemeinschaft verwirklichen.
Donnerstag, 19. März 2009
1 Billion Dollar
Die FED greift zu drastischen Maßnahmen und druckt eine Billion Dollar und deckt diese durch weitgehend wertlose Papiere. Diese Zahl ist so unglaublich, dass wir erstmal tief durchatmen müssen. Mal sehen, ob die durch die USA angeschobene massivste fiskalische und monetäre Expansionspolitik aller Zeiten kurz- und mittelfristig Wirkungen zeitigt. Langfristig geht der Dollar einer massiven Abwertung entgegen, die einer Währungsreform gleichkommt.
Interessant ist übrigens der Kurschart der Goldpreise. Rein charttechnisch ist ein Absturz des Goldpreises abzusehen mit einem Fall erstmal auf 700, dann auf 500 und dann sehen wir weiter, wo sich ein Boden bildet.
Fazit: Einen sicheren Hafen gibt es nur in der Gemeinschaftsbildung. Das ist menschlich gesehen eine gewaltige Herausforderung.
Interessant ist übrigens der Kurschart der Goldpreise. Rein charttechnisch ist ein Absturz des Goldpreises abzusehen mit einem Fall erstmal auf 700, dann auf 500 und dann sehen wir weiter, wo sich ein Boden bildet.
Fazit: Einen sicheren Hafen gibt es nur in der Gemeinschaftsbildung. Das ist menschlich gesehen eine gewaltige Herausforderung.
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